Nach einer Hüft-TEP ist das Gehen ein wichtiger Teil der Erholung. Doch auch Gewichtsverlagerung, Beckenstabilität und mögliche Ausweichbewegungen spielen eine Rolle, wenn das Bein wieder sicher in den Alltag integriert werden soll.
Nach einer Hüft-TEP wieder gehen zu können, ist ein wichtiger Schritt der Erholung. Entscheidend ist jedoch nicht nur, ob das Gehen möglich ist. Auch die Gewichtsverlagerung und das Zusammenspiel von Hüfte, Becken und Rumpf können für die weitere funktionelle Erholung relevant sein.
Das Gangbild kann sich schon vor der Operation verändern
Viele Menschen kommen erst nach einer längeren Phase mit Einschränkungen an der Hüfte zur Operation. In dieser Zeit kann es passieren, dass eine Seite weniger belastet, die Schrittlänge verändert oder eine Bewegung unbewusst anders ausgeführt wird.
Mit der neuen Hüftprothese verändert sich die Situation im Gelenk, solche Anpassungen verschwinden jedoch nicht zwangsläufig sofort. In der Physiotherapie wird deshalb auch beobachtet, wie der Patient geht: Wie wird das Gewicht auf beide Beine verteilt? Wie bewegt sich das Becken? Sind noch Ausweichbewegungen vorhanden, die vor der Operation hilfreich waren, jetzt aber nicht mehr notwendig sein müssen?

Die Hüfte stabilisiert beim Gehen auch das Becken
Beim Gehen gibt es in jedem Schritt eine Phase, in der ein großer Teil des Körpergewichts von einem Bein getragen wird. Die Muskulatur rund um die Hüfte – insbesondere die Hüftabduktoren – trägt in diesem Moment wesentlich dazu bei, das Becken zu stabilisieren.
Nach einer Hüft-TEP kann diese Fähigkeit zunächst reduziert sein. Je nach Situation kann sich das beispielsweise durch eine veränderte Beckenbewegung, eine seitliche Verlagerung des Oberkörpers oder Schwierigkeiten bei der Belastungsübernahme auf das operierte Bein zeigen. In der Physiotherapie geht es dann nicht darum, das Gangbild lediglich optisch symmetrischer zu machen, sondern herauszufinden, warum eine Ausweichbewegung entsteht.
Muskelkraft, Beweglichkeit, Gleichgewicht und Gewichtsverlagerung können dafür gemeinsam betrachtet werden. Auf dieser Grundlage lassen sich Übungen und Gangtraining gezielt auswählen. So kann beispielsweise das Training der Hüftmuskulatur unmittelbar dazu beitragen, das Bein während der Belastungsphase eines Schrittes besser zu kontrollieren.
Ausweichbewegungen können die Belastung an anderer Stelle verändern
Ein verändertes Gangbild bedeutet nicht automatisch, dass daraus eine weitere Verletzung oder Erkrankung entsteht. Bleibt eine ausgeprägte Ausweichstrategie jedoch bestehen, kann sich auch die Verteilung der Belastung beim Gehen verändern.
Wird eine Seite wiederholt entlastet oder übernehmen Rumpf und Becken dauerhaft zusätzliche Kompensationsbewegungen, können andere Bereiche stärker beansprucht werden. Abhängig vom individuellen Bewegungsmuster können beispielsweise das andere Hüftgelenk, die Knie, die Muskulatur rund um das Becken oder der untere Rücken betroffen sein.

Das ist ein Grund, die Erholung nach einer Operation nicht ausschließlich danach zu beurteilen, ob jemand wieder gehen kann. Ebenso relevant ist, wie die Bewegung ausgeführt wird und welche Belastungen dabei entstehen.
Das Ziel ist kein „perfektes“ Gangbild
Nicht jede kleine Asymmetrie muss beseitigt werden. Es besteht ein Unterschied zwischen dem Versuch, einem theoretisch perfekten Bewegungsmuster zu entsprechen, und dem Ziel, wieder funktionell und sicher gehen zu können.
Was dafür notwendig ist, hängt vom Alltag des Patienten ab. Für eine Person kann das bedeuten, wieder längere Strecken zurückzulegen. Für eine andere sind Treppen, unebener Untergrund, eine Tätigkeit im Stehen oder eine bestimmte Freizeitaktivität entscheidend. Mit fortschreitender Erholung kann die Physiotherapie die Anforderungen schrittweise steigern und stärker an solchen realen Situationen ausrichten.
Nach einer Hüft-TEP endet die funktionelle Erholung daher nicht mit den ersten sicheren Schritten. Vertrauen in das operierte Bein, Belastbarkeit und ein Gangbild, das den individuellen Anforderungen gerecht wird, gehören ebenfalls dazu.
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Geschrieben von
Petra Gillmann
Experte für Gesundheit und Wohlbefinden im Gesundheitshaus Garrel.



