Skoliose bei Kindern und Jugendlichen: Die Wirbelsäule verändert sich in drei Dimensionen
Therapie

Skoliose bei Kindern und Jugendlichen: Die Wirbelsäule verändert sich in drei Dimensionen

Petra Gillmann

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3 Min. Lesezeit

Skoliose bedeutet nicht einfach, dass die Wirbelsäule „schief“ ist. Während des Wachstums kann sich die Krümmung verändern und auch mit einer Rotation der Wirbel und Veränderungen des Rumpfes einhergehen.

Skoliose ist mehr als eine seitliche Krümmung

Bei einer Skoliose denken viele zunächst an eine Wirbelsäule, die sich zur Seite krümmt. Diese seitliche Krümmung gehört tatsächlich dazu, beschreibt aber nur einen Teil der Veränderung.

Bei einer strukturellen Skoliose kommt es zusätzlich zu einer Rotation der Wirbel. Dadurch können sich auch die Stellung der Rippen und die Form des Rumpfes verändern. Manche Asymmetrien werden deshalb nicht nur beim Blick von vorne oder hinten sichtbar, sondern beispielsweise auch beim Vorbeugen des Oberkörpers.

Gerade diese Kombination macht die Skoliose zu einer dreidimensionalen Veränderung. Untersuchung und Therapie beschränken sich daher nicht darauf, die Wirbelsäule optisch möglichst gerade auszurichten.

Computer, Smartphone und eine ungünstige Haltung gelten nicht als Ursache

Kinder und Jugendliche, die längere Zeit gebeugt oder asymmetrisch vor einem Computer sitzen, können Beschwerden, Verspannungen oder vorübergehende Haltungsveränderungen entwickeln. Daraus folgt jedoch nicht, dass diese Haltung eine strukturelle Skoliose verursacht hat.

Bei der häufigsten Form im Jugendalter, der idiopathischen Adoleszentenskoliose, ist keine einzelne Ursache bekannt. Verschiedene biologische und genetische Faktoren spielen eine Rolle. Die Haltung beim Sitzen, am Smartphone oder beim Spielen am Computer gilt dagegen nicht als Ursache der strukturellen Verformung.

Diese Unterscheidung ist auch für die Behandlung wichtig. Die Aufforderung, einfach „gerade zu sitzen“, kann weder die Rotation der Wirbel noch die weiteren dreidimensionalen Veränderungen einer strukturellen Skoliose korrigieren.

Während des Wachstums wird die Entwicklung der Krümmung besonders wichtig

Das Wachstum steht in einem wichtigen Zusammenhang mit der Entwicklung einer Skoliose, insbesondere während des Wachstumsschubs in der Pubertät. Das bedeutet nicht, dass schnelles Wachstum eine Skoliose verursacht. Solange das Skelett jedoch noch nicht ausgereift ist, besteht bei einer bereits vorhandenen Skoliose ein erhöhtes Risiko, dass die Krümmung fortschreitet.

Deshalb ist nicht allein entscheidend, wie ausgeprägt eine Krümmung zum aktuellen Zeitpunkt ist. Alter, Wachstumsphase und Skelettreife helfen dabei einzuschätzen, wie viel Wachstum noch bevorsteht, und spielen bei der weiteren Beurteilung eine wichtige Rolle.

Hinzu kommt ein biomechanischer Aspekt: Wächst die Wirbelsäule unter einer zunehmend asymmetrischen Belastung, können sich Form und Stellung der Wirbel weiter verändern. Wachstum und bestehende Verformung können sich während dieser Phase somit gegenseitig beeinflussen.

Die Therapie muss alle drei Dimensionen berücksichtigen

Wenn eine Skoliose mit seitlicher Krümmung, Rotation und Veränderungen des Rumpfes einhergeht, müssen auch diese unterschiedlichen Ebenen in der physiotherapeutischen Behandlung berücksichtigt werden.

Bei der Untersuchung können unter anderem die Ausrichtung des Rumpfes, Unterschiede zwischen den Körperseiten, Beweglichkeit, Haltungskontrolle und die Fähigkeit zur aktiven Korrektur betrachtet werden. Daraus lässt sich ableiten, welche Aspekte individuell trainiert werden sollten.

Das Ziel besteht nicht darin, eine einzige „richtige Haltung“ zu erlernen und diese den ganzen Tag beizubehalten. Vielmehr geht es darum, Korrekturstrategien für das jeweilige Skoliosemuster zu entwickeln und diese zunehmend in alltägliche Bewegungen und Positionen zu integrieren.

Die Schroth-Therapie arbeitet gezielt mit dieser dreidimensionalen Sichtweise

Die Therapie nach Schroth wurde speziell für die konservative Behandlung der Skoliose entwickelt. Die Wirbelsäule wird dabei nicht ausschließlich als eine von vorne sichtbare Krümmung betrachtet, sondern gemeinsam mit den dreidimensionalen Veränderungen des Rumpfes.

Die Übungen orientieren sich am individuellen Skoliosemuster und arbeiten unter anderem mit aktiver Selbstkorrektur, Stabilisierung der korrigierten Haltung und gezielter Atmung. Die Atmung hat innerhalb des Konzepts eine besondere Bedeutung, da auch Stellung und Bewegung der Rippen durch die Rotation des Rumpfes verändert sein können.

In der KG Praxis Berkemeyer gehört die Skoliosetherapie nach Schroth zum physiotherapeutischen Angebot. Gerade während des Wachstums ermöglicht die gezielte Begleitung, auf vorhandene Veränderungen einzugehen und die Übungen an Entwicklungsphase und individuelles Skoliosemuster anzupassen.

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Geschrieben von

Petra Gillmann

Experte für Gesundheit und Wohlbefinden im Gesundheitshaus Garrel.

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