Ein Tennisarm betrifft nicht nur Tennisspieler. Die beteiligten Sehnen gehören zu Muskeln, die das Handgelenk bewegen und stabilisieren. Diese Verbindung erklärt, weshalb Schmerzen am Ellenbogen auch bei Tätigkeiten auftreten können, die vor allem die Hand beanspruchen.
Tennisarm ist nicht nur ein Problem beim Sport
Der Name Tennisarm lässt zunächst an ein sportliches Problem denken. Die beteiligten Sehnen werden jedoch bei zahlreichen alltäglichen Tätigkeiten beansprucht. Die Streckmuskeln des Unterarms sind an Bewegungen des Handgelenks beteiligt und helfen gleichzeitig dabei, es zu stabilisieren, wenn wir Gegenstände greifen, anheben oder bewegen.
Deshalb können Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens beispielsweise beim Arbeiten mit Werkzeugen, beim Tragen einer Tasche, beim Anheben eines Topfes oder auch beim Halten bestimmter Gegenstände mit ausgestrecktem Arm auftreten. Die eigentliche Bewegung findet dabei vor allem in Hand und Handgelenk statt, ein Teil der beteiligten Muskulatur setzt jedoch im Bereich der Ellenbogenaußenseite an.
Beim sogenannten Tennisellenbogen, auch laterale Epicondylopathie genannt, ist genau dieser Ursprungsbereich der Unterarmstrecksehnen betroffen. Diese anatomische Verbindung erklärt, weshalb der Name der Erkrankung nur einen kleinen Teil der Geschichte erzählt.
Das Handgelenk muss sich nicht bewegen, damit diese Muskeln arbeiten
Die Streckmuskeln des Handgelenks werden nicht nur aktiv, wenn wir das Handgelenk sichtbar nach hinten bewegen. Auch beim festen Greifen oder Halten eines Gegenstandes arbeiten sie mit, um das Handgelenk zu stabilisieren, während die für den Griff verantwortlichen Muskeln Kraft entwickeln.
Dieses Zusammenspiel ermöglicht es der Hand, Kraft auszuüben, ohne dass das Handgelenk dabei in Richtung der Finger nachgibt. Eine Tätigkeit, die scheinbar hauptsächlich in der Hand stattfindet, kann dadurch auch die Muskeln und Sehnen beanspruchen, die sich über den Unterarm bis zur Außenseite des Ellenbogens erstrecken.
Das erklärt auch, weshalb kräftiges Greifen, das Halten eines Gegenstandes oder Bewegungen gegen Widerstand die Beschwerden eines Tennisarms auslösen können, obwohl sich der Ellenbogen selbst dabei kaum bewegt.

Muskeln und Sehnen passen sich dem Training nicht im gleichen Tempo an
Beginnen wir eine Körperregion zu trainieren, können erste Fortschritte bei der Muskelkraft vergleichsweise schnell auftreten. Ein Teil dieser Verbesserung entsteht auch dadurch, dass das Nervensystem lernt, die Muskulatur effizienter anzusteuern. Eine Sehne folgt jedoch einem anderen Zeitverlauf: Veränderungen ihrer Struktur und ihrer Fähigkeit, wiederkehrende Kräfte aufzunehmen, benötigen in der Regel über einen längeren Zeitraum regelmäßige Belastungsreize.
Das ist bei der Erholung eines Tennisarms besonders relevant. Der Arm kann sich bereits kräftiger anfühlen und eine bestimmte Übung leichter fallen, während sich die Sehne weiterhin im Anpassungsprozess befindet. Das Gefühl von mehr Kraft ist daher kein verlässlicher Maßstab dafür, wie weit sich die Sehne bereits angepasst hat.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die Sehne geschont werden sollte, bis sie sich von allein erholt. Belastung gehört zu den Reizen, die eine Sehne für ihre Anpassung benötigt. In der Physiotherapie geht es deshalb darum, eine geeignete Dosierung zu finden und diese im Verlauf zu steigern, ohne eine schnelle Verbesserung der Muskelkraft mit einer vollständigen Anpassung der Sehne gleichzusetzen.
Weniger Schmerzen bedeuten nicht automatisch, dass der Arm wieder für alles bereit ist
Eine schmerzauslösende Tätigkeit vorübergehend zu reduzieren, kann die Beschwerden verringern. Allein dadurch werden Muskeln und Sehnen jedoch noch nicht auf die ursprünglichen Anforderungen vorbereitet.
In der Physiotherapie können gezielte Übungen für Handgelenk und Unterarm eingesetzt werden, um diese Strukturen kontrolliert wieder an Widerstände heranzuführen. Art und Intensität der Übungen lassen sich im Verlauf an die Reaktion auf die Belastung anpassen.
Die Behandlung beschränkt sich damit nicht darauf, abzuwarten, bis die Schmerzen verschwinden. Sie kann gleichzeitig die Voraussetzungen dafür schaffen, dass der Arm die zuvor problematischen Tätigkeiten wieder bewältigen kann.

Physiotherapie berücksichtigt mehr als die schmerzende Stelle
Die Außenseite des Ellenbogens ist die Region, an der sich ein Tennisarm typischerweise bemerkbar macht. Die physiotherapeutische Untersuchung kann jedoch darüber hinausgehen. Die Funktion des Handgelenks, die Kraft des Unterarms, Bewegungen, die Beschwerden auslösen, und die jeweiligen Anforderungen an den Arm liefern weitere wichtige Informationen.
Dadurch kann die Behandlung an die individuelle Situation angepasst werden. Wer täglich mit Werkzeugen arbeitet, stellt andere Anforderungen an Hand und Unterarm als jemand, dessen Beschwerden hauptsächlich beim Sport oder bei bestimmten manuellen Tätigkeiten auftreten.
In der KG Praxis Berkemeyer können diese Zusammenhänge zwischen Ellenbogen, Unterarm und Handgelenk gezielt in die physiotherapeutische Behandlung einbezogen werden. Dabei geht es darum, die betroffene Funktion zu behandeln und die beteiligten Strukturen schrittweise wieder auf die Anforderungen vorzubereiten, die sie im Alltag erfüllen müssen.
KG Praxis Berkemeyer Inh. Petra Gillmann
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Geschrieben von
Petra Gillmann
Experte für Gesundheit und Wohlbefinden im Gesundheitshaus Garrel.



