Parkinson: Wenn Bewegung an Größe verliert
Therapie

Parkinson: Wenn Bewegung an Größe verliert

Petra Gillmann

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4 Min. Lesezeit

Parkinson wird häufig vor allem mit Tremor verbunden. Doch auch kleinere und langsamere Bewegungen können den Alltag deutlich beeinflussen. Die Physiotherapie kann gezielt an Bewegungsamplitude und Bewegungsabläufen ansetzen.

Bei Parkinson kann ein Mensch körperlich durchaus in der Lage sein, eine bestimmte Bewegung auszuführen und sie trotzdem spontan mit geringerer Bewegungsweite ausführen. Dieser Unterschied ist wichtig, um einige Veränderungen bei Parkinson zu verstehen – und erklärt zugleich, weshalb in der Physiotherapie gezielt mit Bewegungsamplitude gearbeitet wird.

Bewegung kann möglich sein und trotzdem kleiner ausfallen

Bei Parkinson verändern sich Abläufe im Gehirn, die an der Planung und Ausführung von Bewegungen beteiligt sind. Zwei Begriffe sind in diesem Zusammenhang besonders relevant: Bradykinese bezeichnet die Verlangsamung von Bewegungen, Hypokinese ihre verringerte Bewegungsweite.

In der Praxis kann jemand beispielsweise genügend Kraft für einen größeren Schritt haben und trotzdem spontan mit kürzeren Schritten gehen. Auch der Armschwung kann geringer werden. Beim Aufstehen, Drehen oder Losgehen kann es notwendig werden, einer Bewegung mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Selbst beim Schreiben kann sich die verringerte Bewegungsweite zeigen: Bei manchen Menschen werden die Buchstaben im Verlauf einer Zeile zunehmend kleiner.

Für die Physiotherapie ist diese Unterscheidung wichtig. Schwierigkeiten beim Gehen bedeuten nicht automatisch, dass lediglich Kraft fehlt oder ein Gelenk unbeweglich ist. Entscheidend ist auch, wie eine Bewegung ausgeführt wird und unter welchen Bedingungen sie sich verändert.

Bei der physiotherapeutischen Untersuchung können deshalb unter anderem Schrittlänge, Gehgeschwindigkeit, Armschwung, Richtungswechsel, Gleichgewicht sowie das Beginnen und Stoppen einer Bewegung beobachtet werden.

Äußere Reize können die Bewegung unterstützen

Eine interessante Strategie in der physiotherapeutischen Behandlung von Parkinson ist das sogenannte Cueing. Dabei werden äußere Reize genutzt, um Bewegungen gezielt zu unterstützen.

Markierungen auf dem Boden können beispielsweise eine Orientierung für die Schrittlänge geben. Ein akustischer Rhythmus kann dabei helfen, den Gehrhythmus zu strukturieren. Auch eine bewusste kurze Anweisung, größere Schritte zu machen, kann die Ausführung einer Bewegung verändern.

Solche Reize beseitigen die motorischen Veränderungen der Erkrankung nicht. Sie können aber eine Strategie sein, um bestimmte Bewegungsaufgaben besser zu bewältigen. Welche Form des Cueings hilfreich ist, muss individuell ausprobiert werden.

Besonders interessant sind solche Strategien in Situationen, in denen automatische Bewegungsabläufe Schwierigkeiten bereiten. Dazu gehört das sogenannte Freezing: Die Person möchte weitergehen, die Füße scheinen jedoch für einen Moment am Boden „festzustecken“. Engstellen, Türen, Richtungswechsel oder das Losgehen können solche Episoden bei manchen Menschen begünstigen.

In der Physiotherapie können genau diese Situationen gezielt aufgegriffen werden. Statt ausschließlich das gerade Gehen in einer vorhersehbaren Umgebung zu üben, können Richtungswechsel, Start und Stopp, Hindernisse oder andere Anforderungen aus dem Alltag Bestandteil des Trainings sein.

Größere Bewegungen zu trainieren hat einen konkreten Zweck

Wenn spontane Bewegungen kleiner werden, kann das bewusste Training größerer Bewegungsamplituden Bestandteil der Therapie sein. Eine möglichst große Bewegung ist dabei jedoch kein Selbstzweck.

Das Aufstehen von einem Stuhl erfordert eine ausreichende Gewichtsverlagerung und Kraft. Beim Drehen müssen verschiedene Körperabschnitte koordiniert werden. Beim Gehen müssen Schritte an die Umgebung angepasst, Richtungen gewechselt und Hindernisse berücksichtigt werden.

Deshalb können Bewegungsamplitude, Gleichgewicht, Kraft und Koordination innerhalb derselben Therapie eine Rolle spielen. Entscheidend ist, welche Anforderungen eine Person in ihrem eigenen Alltag bewältigen möchte oder muss.

Auch die Schwierigkeit der Übungen lässt sich schrittweise steigern. Eine Bewegung kann zunächst einzeln geübt und später in einen komplexeren Bewegungsablauf eingebaut oder mit einer weiteren Aufgabe kombiniert werden. So nähert sich das Training zunehmend den tatsächlichen Anforderungen außerhalb der Praxis an.

Parkinson verändert sich – das Training muss sich mitverändern

Die motorischen Fähigkeiten bleiben im Verlauf einer Parkinson-Erkrankung nicht zwangsläufig gleich. Manche Menschen bemerken außerdem Unterschiede innerhalb eines Tages, die unter anderem mit der Wirkung ihrer Medikamente zusammenhängen können.

Ein Trainingsprogramm, das vor einigen Monaten gut gepasst hat, muss deshalb nicht dauerhaft unverändert bleiben. Eine Schwierigkeit, die den Alltag zunächst kaum beeinflusst hat, kann später wichtiger werden. Andere Situationen lassen sich möglicherweise durch erlernte Strategien inzwischen besser bewältigen.

Die physiotherapeutische Begleitung ermöglicht es, solche Veränderungen zu erkennen und das Training entsprechend anzupassen. Je nach Situation können Bewegungsamplitude, Gang, Transfers, Gleichgewicht, Kraft oder konkrete Strategien für bestimmte Alltagssituationen im Vordergrund stehen.

Die KG Praxis Berkemeyer bietet auch Bobath für Erwachsene an, ein physiotherapeutisches Behandlungskonzept für Menschen mit neurologischen Erkrankungen. Bei Parkinson geht es dabei nicht darum, einen „perfekten“ Bewegungsablauf zu erreichen. Im Mittelpunkt stehen Fähigkeiten, die für Mobilität, Selbstständigkeit und die Bewältigung des persönlichen Alltags relevant sind.

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Geschrieben von

Petra Gillmann

Experte für Gesundheit und Wohlbefinden im Gesundheitshaus Garrel.

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