Taubheitsgefühle, Kribbeln oder ein verändertes Empfinden beim Auftreten können erste Hinweise auf eine Polyneuropathie sein. Sind periphere Nerven betroffen, kann sich nicht nur die Sensibilität verändern. Auch Gleichgewicht und Sicherheit beim Gehen können beeinträchtigt werden.
Wenn sich der Kontakt zum Boden verändert
Manche Betroffene beschreiben das Gefühl, als würden sie auf Watte laufen. Andere bemerken Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühle oder können den Boden unter ihren Füßen nicht mehr so deutlich wahrnehmen wie früher. Häufig beginnen diese Veränderungen an den Füßen und treten auf beiden Körperseiten auf.
Hinter solchen Beschwerden kann eine Polyneuropathie stehen. Dabei sind mehrere periphere Nerven in ihrer Funktion beeinträchtigt. Die möglichen Ursachen sind vielfältig. Dazu gehören beispielsweise Diabetes, bestimmte Vitaminmangelzustände, chronischer Alkoholkonsum oder Medikamente, darunter auch einige Chemotherapeutika. Neu auftretende oder zunehmende Beschwerden sollten deshalb medizinisch abgeklärt werden.
Die Füße liefern wichtige Informationen für das Gleichgewicht
Beim Gehen sind wir nicht allein auf die Kraft unserer Beine angewiesen. Rezeptoren in Muskeln, Gelenken und Gewebe liefern dem Nervensystem fortlaufend Informationen über Körperposition, Druck und Kontakt zum Untergrund.
Ist diese Wahrnehmung eingeschränkt, wird es schwieriger, kleine Unebenheiten zu erkennen oder die Position der Füße präzise einzuschätzen. Die visuelle Orientierung gewinnt dadurch zusätzlich an Bedeutung.
Das erklärt auch eine typische Beobachtung: Manche Menschen mit Polyneuropathie kommen tagsüber relativ sicher zurecht, fühlen sich bei Dunkelheit, in schlecht beleuchteten Räumen oder mit geschlossenen Augen jedoch deutlich unsicherer. Fehlt die optische Orientierung, macht sich die eingeschränkte Wahrnehmung über die Füße stärker bemerkbar.
Polyneuropathie kann auch das Gangbild beeinflussen

Je nachdem, welche Nerven betroffen sind und wie sich die Erkrankung entwickelt, können neben den Sensibilitätsstörungen auch motorische Veränderungen auftreten. Muskelschwäche, Schwierigkeiten beim Anheben der Füße oder eine verminderte Kontrolle der Schritte können das Gangbild verändern und die Unsicherheit auf Treppen oder unebenem Untergrund verstärken.
Bei der Untersuchung geht es deshalb nicht nur darum festzustellen, ob Taubheitsgefühle vorhanden sind. Auch Muskelkraft, Gleichgewicht, Koordination, Gangbild und funktionelle Fähigkeiten geben wichtige Hinweise darauf, wie stark die Polyneuropathie den Alltag beeinflusst.
Sicherheit beim Gehen kann gezielt gefördert werden
Physiotherapie kann die Ursache einer Polyneuropathie nicht grundsätzlich beseitigen und geschädigte Nerven nicht allein durch Bewegung wiederherstellen. Sie kann jedoch gezielt an den funktionellen Folgen der Erkrankung ansetzen.
Je nach Befund können Gleichgewichts- und Koordinationstraining, Muskelkräftigung sowie gezielte Übungen für ein sichereres Gangbild eingesetzt werden. Dabei geht es darum, vorhandene Fähigkeiten bestmöglich zu nutzen, die Stabilität zu fördern und mehr Sicherheit in alltäglichen Situationen zu erreichen.
Die Behandlung orientiert sich sowohl an der Ausprägung der Beschwerden als auch an ihrer Ursache und Entwicklung. Physiotherapie ist deshalb Teil eines individuellen und bei Bedarf interdisziplinären Behandlungskonzepts.
Veränderungen der Sensibilität verdienen Aufmerksamkeit
Gelegentliches Kribbeln bedeutet nicht automatisch, dass eine Polyneuropathie vorliegt. Bleiben Taubheitsgefühle, Brennen, Sensibilitätsverluste oder Unsicherheit beim Gehen jedoch bestehen oder nehmen sie zu, sollte die Ursache abgeklärt werden.
Dabei lohnt sich der Blick nicht nur auf das, was in den Füßen wahrgenommen wird. Entscheidend ist auch, ob und wie diese Veränderungen bereits das Gehen, das Gleichgewicht und die Sicherheit im Alltag beeinflussen.
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Geschrieben von
Petra Gillmann
Experte für Gesundheit und Wohlbefinden im Gesundheitshaus Garrel.



