Der Beckenboden unterstützt die Kontinenz, stabilisiert die Beckenorgane und reagiert auf Belastungen im Alltag. Ist seine Funktion beeinträchtigt, können unterschiedliche Beschwerden entstehen. Gezieltes Training kann seine Funktion unterstützen.
Eine Muskulatur, die meist unbemerkt arbeitet
Anders als beispielsweise Bizeps oder Oberschenkelmuskulatur lässt sich der Beckenboden bei Bewegung nicht einfach beobachten. Er bildet eine muskuläre Struktur am unteren Ende des Beckens und arbeitet eng mit anderen Bereichen des Rumpfes zusammen.
Im Alltag muss diese Muskulatur schnell reagieren können. Beim Husten, Niesen, Lachen, beim Heben einer Kiste oder bei bestimmten sportlichen Übungen steigt der Druck im Bauchraum. Ein funktionierender Beckenboden hilft dabei, diesen Druck zu kontrollieren, die Organe im Becken zu unterstützen und die Harn- und Stuhlkontinenz zu sichern.
Seine Aufgabe geht damit weit über das reine „Halten“ hinaus.
Schwäche ist nicht die einzige mögliche Veränderung
Bei Beckenbodenproblemen wird häufig zuerst an eine zu schwache Muskulatur gedacht. Das ist eine mögliche Ursache, aber nicht die einzige.
Der Beckenboden kann auch übermäßig angespannt sein oder Schwierigkeiten haben, im richtigen Moment zu entspannen und die Muskelaktivität zu koordinieren. Je nach Funktionsstörung können beispielsweise ungewollter Urinverlust, ein Druck- oder Schweregefühl im Beckenbereich, Schwierigkeiten bei der Kontrolle von Darmgasen oder Beschwerden bei bestimmten Aktivitäten auftreten.
Genau deshalb ist ein selbstständiges Training mit möglichst vielen oder kräftigen Anspannungen nicht für jeden automatisch die richtige Lösung. Bevor gezielt trainiert wird, sollte geklärt werden, welche Funktion tatsächlich beeinträchtigt ist.
Beckenbodentraining ist kein reines Frauenthema

Schwangerschaft, Geburt und hormonelle Veränderungen führen dazu, dass der Beckenboden häufig vor allem mit Frauengesundheit in Verbindung gebracht wird. Tatsächlich spielen diese Faktoren eine wichtige Rolle.
Auch Männer besitzen jedoch einen Beckenboden und können funktionelle Veränderungen entwickeln, insbesondere nach bestimmten urologischen Eingriffen wie einer Prostataoperation. Probleme mit der Kontinenz können in solchen Fällen Teil des Genesungsprozesses sein.
Auch Alter, Operationen, wiederkehrende Druckbelastungen und verschiedene Erkrankungen können die Funktion des Beckenbodens bei Frauen und Männern beeinflussen.
Training bedeutet nicht nur Anspannen
Ein gezieltes Beckenbodentraining beginnt damit, die Muskulatur bewusst wahrnehmen und kontrollieren zu können.
Je nach Befund können Kraft, Ausdauer und Koordination trainiert werden. In anderen Fällen steht zunächst die Fähigkeit zur Entspannung im Vordergrund. Auch das Zusammenspiel mit der Atmung und der Umgang mit erhöhtem Druck im Bauchraum können Teil des Trainings sein.
In der Physiotherapie lässt sich das Training an die individuellen Voraussetzungen anpassen und anschließend zunehmend in Bewegungen und Alltagssituationen integrieren. Ziel ist nicht die möglichst kräftige Anspannung, sondern eine Beckenbodenmuskulatur, die ihre Funktion im richtigen Moment erfüllen kann.
Beschwerden müssen nicht als unvermeidlich hingenommen werden
Kleine Urinverluste beim Husten, Lachen oder Sport werden häufig als normal angesehen, besonders nach einer Schwangerschaft oder mit zunehmendem Alter. Ähnlich können Beschwerden nach urologischen Eingriffen als etwas betrachtet werden, mit dem man sich arrangieren müsse.
Dass solche Probleme häufig vorkommen, bedeutet jedoch nicht, dass sie einfach hingenommen werden müssen. Wenn Beschwerden im Alltag, beim Sport oder bei bestimmten Aktivitäten einschränken, kann eine gezielte Untersuchung helfen zu erkennen, welche Funktionen betroffen sind und welche Behandlungsmöglichkeiten infrage kommen.

Kontakt
KG Praxis Berkemeyer Inh. Petra Gillmann: 04474 - 8393
fit & gesund: 04474 - 934850
E-Mail: info@kg-praxis-berkemeyer.de
Sie sind nicht allein. Wir gehen diesen Weg gemeinsam mit Ihnen.
Geschrieben von
Petra Gillmann
Experte für Gesundheit und Wohlbefinden im Gesundheitshaus Garrel.



