Krebsbedingte Fatigue kann Kraft, Ausdauer und Alltag während einer Chemotherapie deutlich beeinträchtigen. Individuell angepasstes onkologisches Training kann dabei helfen, körperliche Fähigkeiten während der Behandlung möglichst gut zu erhalten.
Fatigue lässt sich nicht allein durch Energieverbrauch erklären
Bei krebsbedingter Fatigue steht die Erschöpfung nicht unbedingt im Verhältnis zur vorausgegangenen Belastung. Ein kurzer Spaziergang, Duschen oder die Zubereitung einer Mahlzeit können unverhältnismäßig anstrengend erscheinen, und selbst eine ganze Nacht Schlaf bringt nicht immer die erwartete Erholung.
Dafür gibt es nicht nur eine einzelne Ursache. Sowohl die Erkrankung selbst als auch die Behandlung können unterschiedliche Veränderungen im Körper auslösen. Entzündungsprozesse, Anämie, hormonelle und metabolische Veränderungen, Schlafstörungen, Verlust von Muskelmasse sowie die Wirkung bestimmter Medikamente können an der Entstehung beteiligt sein.
Deshalb können zwei Menschen während einer Chemotherapie Fatigue in sehr unterschiedlicher Ausprägung erleben. Auch bei derselben Person kann sich die Intensität im Verlauf eines Behandlungszyklus verändern.
Auch der Chemotherapiezyklus beeinflusst die Trainingsfähigkeit
Die körperliche Belastbarkeit bleibt zwischen den einzelnen Chemotherapiesitzungen nicht zwangsläufig gleich.
In den Tagen nach der Medikamentengabe können beispielsweise Übelkeit, Veränderungen des Blutbildes, verminderter Appetit oder stärkere Erschöpfung die Belastbarkeit deutlich reduzieren. Zu einem anderen Zeitpunkt im selben Zyklus kann dieselbe Person körperlich wesentlich leistungsfähiger sein.
Für das Training hat das eine konkrete Konsequenz: Eine Belastung, die in einer Woche angemessen ist, kann zu einem anderen Zeitpunkt bereits zu hoch sein. Bei Fieber, Infektionen, relevanten Veränderungen des Blutbildes oder anderen ausgeprägten Nebenwirkungen kann es notwendig sein, das Training anzupassen oder vorübergehend auszusetzen.
Statt mit einem starren Trainingsplan zu arbeiten, muss onkologisches Training solche Schwankungen berücksichtigen. Intensität, Dauer, Pausen und Auswahl der Übungen können an die aktuelle Situation angepasst werden.
Kraft und Ausdauer erfüllen während der Behandlung unterschiedliche Aufgaben
Training während einer Chemotherapie bedeutet mehr, als den Körper lediglich in Bewegung zu halten.
Krafttraining zielt unter anderem darauf ab, Muskulatur und die für alltägliche Aufgaben notwendige körperliche Leistungsfähigkeit möglichst gut zu erhalten. Das ist relevant, weil Phasen geringerer Aktivität, Ernährungsveränderungen und die Behandlung selbst den Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft begünstigen können.
Ausdauertraining setzt an einem anderen Bereich an: der Fähigkeit, körperliche Belastungen über einen bestimmten Zeitraum aufrechtzuerhalten. Gehen, Radfahren oder Ergometertraining können dosiert eingesetzt werden, um das Herz-Kreislauf-System zu fordern, ohne sportliche Höchstleistungen anzustreben.
Wie beide Trainingsformen miteinander kombiniert und gewichtet werden, richtet sich nach dem körperlichen Zustand, den vorhandenen Beschwerden und der jeweiligen Behandlungsphase.

OTT®: Training abgestimmt auf die individuelle onkologische Situation
In der KG Praxis Berkemeyer in Garrel können onkologische Patientinnen und Patienten im Rahmen der Onkologischen Trainings- und Bewegungstherapie (OTT®) trainieren.
Dabei wird das Training unter Berücksichtigung der Erkrankung, der laufenden Behandlung, vorhandener Nebenwirkungen und der individuellen körperlichen Leistungsfähigkeit geplant. Je nach Bedarf können Kraft, Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit Bestandteil des Trainings sein.
Bei Fatigue während einer Chemotherapie ermöglicht dieser Ansatz, das Training an Veränderungen im Verlauf der Behandlung anzupassen, anstatt von den Betroffenen zu verlangen, einem unveränderten Trainingsplan zu folgen.
Ziel ist es, Bewegung als Teil der onkologischen Begleitung einzusetzen, körperliche Funktionen möglichst gut zu erhalten, den Folgen längerer Inaktivität entgegenzuwirken und die Bewältigung alltäglicher Aktivitäten während und nach der Therapie zu unterstützen.
Auch beim Training kommt es auf die Dosierung an
In der Onkologie reicht die allgemeine Aussage, Bewegung sei gesund, nicht aus. Trainingsart, Intensität, Häufigkeit und Zeitpunkt spielen eine entscheidende Rolle.
Eine zu geringe Belastung setzt möglicherweise nicht den gewünschten Trainingsreiz. Eine zu hohe Belastung kann dagegen über das hinausgehen, was der Körper in der jeweiligen Behandlungssituation tolerieren kann.
Genau diese Dosierung macht aus allgemeiner körperlicher Aktivität ein geplantes Training und ermöglicht es, Bewegung gezielt und angepasst in die Zeit der Chemotherapie zu integrieren.
Kontakt
KG Praxis Berkemeyer Inh. Petra Gillmann: 04474 - 8393
fit & gesund: 04474 - 934850
E-Mail: info@kg-praxis-berkemeyer.de
Sie sind nicht allein. Wir gehen diesen Weg gemeinsam mit Ihnen.
Geschrieben von
Petra Gillmann
Experte für Gesundheit und Wohlbefinden im Gesundheitshaus Garrel.



