Stürze im Alter sind selten reiner Zufall
Therapie

Stürze im Alter sind selten reiner Zufall

Petra Gillmann

Autor

3 Min. Lesezeit

Viele Stürze passieren nicht völlig unerwartet. Häufig zeigen sich schon lange vorher kleine Veränderungen im Gleichgewicht und in der Bewegungssicherheit, die im Alltag kaum auffallen.

Bewegungssicherheit verändert sich meist nicht von heute auf morgen

Menschen, die einmal gestürzt sind, können sich oft noch genau an diesen Moment erinnern. Weniger bewusst ist vielen jedoch, dass sich Veränderungen im Bewegungsverhalten häufig schon lange vorher ankündigen.

Eine Treppenstufe erfordert etwas mehr Aufmerksamkeit als früher, das Aufstehen aus dem Bett dauert morgens ein paar Sekunden länger oder unebene Wege fühlen sich plötzlich unsicherer an.

Für sich genommen gehören solche Situationen zum Alltag vieler Menschen. Wenn sie jedoch häufiger auftreten, können sie darauf hinweisen, dass der Körper auf Bewegungen nicht mehr genauso reagiert wie früher.


Gleichgewicht ist weit mehr als Muskelkraft

Viele verbinden einen sicheren Gang vor allem mit kräftigen Beinen. Tatsächlich ist Gleichgewicht das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Systeme.

Die Augen liefern Orientierung, das Innenohr verarbeitet Bewegungen und Lageveränderungen, Muskeln und Gelenke senden ständig Informationen über die Körperhaltung an das Gehirn. Gleichzeitig entscheidet die Reaktionsfähigkeit darüber, wie schnell der Körper auf unerwartete Situationen reagieren kann.

Schon kleine Veränderungen in einem dieser Bereiche können dazu führen, dass Bewegungen unsicherer werden.


Viele Veränderungen schleichen sich unbemerkt in den Alltag ein

Oft entstehen neue Gewohnheiten ganz automatisch.

Man hält sich häufiger am Treppengeländer fest, stützt sich beim Anziehen an der Wand ab oder vermeidet es, schwere Einkaufstaschen über längere Strecken zu tragen. Manche Menschen wählen lieber den ebenen Weg oder verzichten darauf, bei Dunkelheit noch einmal nach draußen zu gehen.

Keine dieser Veränderungen bedeutet automatisch, dass ein ernsthaftes Problem vorliegt. Wenn sich solche Anpassungen jedoch häufen, können sie ein Hinweis darauf sein, dass Gleichgewicht und Bewegungssicherheit bereits nachgelassen haben.


Gleichgewicht kann trainiert werden

Viele Menschen gehen davon aus, dass Unsicherheit beim Gehen oder ein nachlassendes Gleichgewicht einfach zum Älterwerden dazugehören. Tatsächlich hängen diese Fähigkeiten aber von verschiedenen körperlichen Voraussetzungen ab, die gezielt gefördert werden können.

Koordination, funktionelle Kraft, Körperwahrnehmung und Reaktionsfähigkeit bilden gemeinsam die Grundlage für sichere Bewegungen im Alltag. Werden diese Bereiche trainiert, kann der Körper auf alltägliche Situationen oft wieder sicherer reagieren – sei es beim Treppensteigen, beim Gehen auf unebenem Untergrund oder beim schnellen Ausweichen.

Genau hier kann die Physiotherapie ansetzen. Nicht erst nach einem Sturz, sondern auch dann, wenn erste Veränderungen im Alltag spürbar werden.


Selbstständigkeit beginnt mit sicherer Bewegung

Sicher gehen zu können, Treppen selbstständig zu bewältigen oder Einkäufe ohne Unsicherheit nach Hause zu bringen bedeutet für viele Menschen ein großes Stück Lebensqualität.

Deshalb müssen Veränderungen des Gleichgewichts nicht einfach als unvermeidlicher Teil des Älterwerdens hingenommen werden. Wenn sie früh erkannt werden, lassen sich ihre Ursachen häufig gezielt untersuchen und entsprechende Maßnahmen einleiten.

Denn Stürze zu vermeiden bedeutet nicht nur, Unfälle zu verhindern. Es bedeutet vor allem, Selbstständigkeit und Bewegungsfreiheit im Alltag möglichst lange zu erhalten.


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Geschrieben von

Petra Gillmann

Experte für Gesundheit und Wohlbefinden im Gesundheitshaus Garrel.

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