Nach einer Sprunggelenksverletzung kann Gehen wieder möglich sein, obwohl Stabilität, Beweglichkeit oder Belastbarkeit noch eingeschränkt sind. Physiotherapie hilft dabei, die Funktion gezielt zu beurteilen und schrittweise wieder aufzubauen.
Umknicken geht schnell. Die Erholung zu beurteilen braucht etwas mehr.
Ein falscher Schritt, der Fuß knickt um und das Sprunggelenk schmerzt. Nach einiger Zeit geht die Schwellung zurück und normales Gehen ist wieder möglich. Gerade dann stellt sich eine wichtige Frage: Ist das Sprunggelenk bereits ausreichend auf die Belastungen vorbereitet, die als Nächstes wieder bewältigt werden sollen?
Die Antwort hängt auch davon ab, was im Alltag, Beruf oder Sport benötigt wird.
Gehen ist nur eine Belastungsstufe
Das Gehen auf ebenem Untergrund stellt andere Anforderungen an das Sprunggelenk als Laufen, Springen, schnelle Richtungswechsel oder das Reagieren auf unebenen Boden. Wer wieder problemlos gehen kann, hat deshalb nicht zwangsläufig schon alle früheren Fähigkeiten zurückgewonnen.
Beweglichkeit, Kraft und Belastbarkeit gehören zur Erholung. Gleichzeitig muss das Sprunggelenk auf Situationen reagieren können, in denen sich die Körperposition schnell verändert. Beim Auftreten auf unebenem Untergrund müssen beispielsweise Gelenke und Muskulatur innerhalb kurzer Zeit auf die veränderte Situation reagieren und zur Stabilität beitragen.
Eine physiotherapeutische Untersuchung kann deshalb über die Frage nach Schmerzen hinausgehen. Einbeinstand, Fersenheben, bestimmte Bewegungsaufgaben oder kontrollierte Veränderungen der Körperposition können Hinweise darauf geben, welche Funktionen bereits wieder gut möglich sind und wo noch Einschränkungen bestehen.

Stabilität bedeutet nicht nur, das Sprunggelenk zu kräftigen
Nach einer Sprunggelenksverletzung können Kraftübungen sinnvoll sein, sie bilden jedoch nur einen Teil der möglichen Therapie. Je nach Phase der Erholung können auch Gleichgewicht, Koordination und Bewegungskontrolle gezielt trainiert werden.
Zu Beginn kann eine Aufgabe auf stabilem Untergrund ausreichend sein. Später lassen sich Bewegung, Geschwindigkeit oder Richtungswechsel ergänzen. Beim Wiedereinstieg in eine Sportart können Übungen zunehmend deren Anforderungen aufgreifen. Wer dagegen im Beruf viel geht, Treppen bewältigt oder auf unterschiedlichen Untergründen arbeitet, benötigt möglicherweise andere Schwerpunkte.
Die Progression folgt deshalb nicht für alle demselben Schema. Entscheidend sind die aktuelle Funktion des Sprunggelenks und die Belastungen, denen es später wieder gewachsen sein soll.
Auch die Beweglichkeit kann noch eingeschränkt sein
Ein Gefühl von Instabilität ist nicht der einzige Aspekt, der nach einer Verletzung relevant sein kann. Bestimmte Bewegungen im Sprunggelenk können weiterhin eingeschränkt sein, obwohl grundlegende Alltagsaktivitäten bereits wieder funktionieren.
Eine reduzierte Beweglichkeit kann sich beispielsweise beim Kniebeugen, beim Hinuntergehen einer Stufe oder bei Bewegungen bemerkbar machen, bei denen der Körper über den Fuß nach vorne verlagert wird. In der Physiotherapie lässt sich untersuchen, ob eine relevante Einschränkung besteht und wie die vorhandene Beweglichkeit wieder besser unter Belastung genutzt werden kann.
Je nach Befund können dabei auch Techniken der Manuellen Therapie mit aktiven Übungen kombiniert werden. Es geht nicht allein darum, mehr Beweglichkeit im Gelenk zu erreichen, sondern darum, diese Beweglichkeit für die benötigten Aktivitäten wieder nutzbar zu machen.

Die Rückkehr zur Aktivität sollte zu ihren Anforderungen passen
Es gibt nicht den einen Test, der allein entscheidet, ob ein Sprunggelenk wieder „bereit“ ist. Wer zum Laufen oder zu einer Sportart mit Sprüngen und schnellen Richtungswechseln zurückkehren möchte, hat mit schmerzfreiem Gehen zunächst nur einen Teil der dafür notwendigen Anforderungen erreicht.
Genauso wenig muss jeder die Leistungsfähigkeit eines Sportlers erreichen. Entscheidend ist, das Training schrittweise an die Situationen anzunähern, die im eigenen Alltag tatsächlich wieder bewältigt werden sollen.
Physiotherapie kann diesen Übergang begleiten und die Anforderungen entsprechend der vorhandenen Kraft, Beweglichkeit, Balance und Bewegungskontrolle steigern. Die Rückkehr zur Aktivität orientiert sich damit nicht nur daran, wie viel Zeit seit der Verletzung vergangen ist, sondern auch daran, was das Sprunggelenk bereits leisten kann und welche Fähigkeiten noch aufgebaut werden müssen.
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KG Praxis Berkemeyer Inh. Petra Gillmann: 04474 - 8393
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Geschrieben von
Petra Gillmann
Experte für Gesundheit und Wohlbefinden im Gesundheitshaus Garrel.



