Fersenschmerzen: Nicht immer steckt ein Fersensporn dahinter
Therapie

Fersenschmerzen: Nicht immer steckt ein Fersensporn dahinter

Petra Gillmann

Autor

3 Min. Lesezeit

Fersenschmerzen werden häufig mit einem Fersensporn verbunden. Doch ein knöcherner Sporn erklärt die Beschwerden nicht automatisch. Schmerzort, Zeitpunkt und Reaktion auf Belastung liefern wichtige Hinweise auf die tatsächliche Ursache.

Wenn die ersten Schritte am Morgen besonders unangenehm sind

Eine typische Situation zeigt sich direkt nach dem Aufstehen: Die ersten Schritte verursachen Schmerzen an der Unterseite der Ferse, nach etwas Bewegung lassen die Beschwerden jedoch nach. Auch nach längerem Sitzen kann der Schmerz beim erneuten Aufstehen auftreten.

Dieses Muster findet sich häufig bei Beschwerden der Plantarfaszie. Dabei handelt es sich um eine kräftige Bindegewebsstruktur, die an der Fußsohle vom Fersenbein in Richtung Zehen verläuft und an der Stabilisierung des Fußgewölbes beteiligt ist.

Reagiert dieser Bereich empfindlich auf Belastung, kann gerade der Bewegungsbeginn nach einer Ruhephase unangenehm sein. Längere Gehstrecken, langes Stehen oder eine kürzlich gesteigerte körperliche Aktivität können die Beschwerden ebenfalls verstärken.

Ein Fersensporn im Röntgenbild muss nicht die Ursache sein

Bei der Untersuchung von Fersenschmerzen wird im Röntgenbild manchmal ein Fersensporn festgestellt. Die sichtbare knöcherne Veränderung wird dann verständlicherweise schnell mit den Beschwerden in Verbindung gebracht.

Der Zusammenhang ist jedoch nicht so eindeutig.

Fersensporne können auch bei Menschen vorkommen, die keinerlei Beschwerden haben. Gleichzeitig können typische Schmerzen im Bereich der Ferse bestehen, ohne dass im Röntgenbild ein ausgeprägter Fersensporn erkennbar ist.

Bildgebende Befunde müssen deshalb gemeinsam mit den Symptomen und der klinischen Untersuchung betrachtet werden. Eine sichtbare strukturelle Veränderung zeigt allein noch nicht, welches Gewebe aktuell für die Beschwerden verantwortlich ist.

Auch die Belastung des Fußes spielt eine Rolle

Fersenschmerzen können nach vergleichsweise einfachen Veränderungen im Alltag auftreten.

Längere Gehstrecken, eine schnelle Steigerung des Lauftrainings, viele Stunden im Stehen oder die Wiederaufnahme sportlicher Aktivität nach einer längeren Pause verändern die Belastung, die das Gewebe des Fußes bewältigen muss.

Auch die Muskulatur von Fuß und Wade, die Beweglichkeit des Sprunggelenks und die Verteilung der Belastung beim Gehen sind Teil dieses Zusammenspiels.

Dabei geht es nicht darum, einen einzelnen „falschen“ Bewegungsablauf zu finden. Entscheidend ist vielmehr, ob die Belastbarkeit der beteiligten Strukturen zu den Anforderungen passt, denen sie aktuell ausgesetzt sind.

Nicht jeder Fersenschmerz entsteht in derselben Struktur

Auch die genaue Lokalisation der Beschwerden liefert wichtige Hinweise.

Schmerzen an der Fußsohle nahe dem Ansatz der Plantarfaszie am Fersenbein haben andere typische Merkmale als Beschwerden an der Rückseite der Ferse, wo sich die Achillessehne befindet. Auch gereizte Schleimbeutel, Veränderungen im Bereich des Fersenfettpolsters und seltener knöcherne oder nervale Ursachen können Beschwerden in dieser Region auslösen.

Deshalb ist es wenig sinnvoll, jeden Fersenschmerz pauschal als „Fersensporn“ zu behandeln.

Bei der physiotherapeutischen Untersuchung helfen das Verhalten der Beschwerden bei unterschiedlichen Aktivitäten, Beweglichkeit, Muskelkraft und die Reaktion des Fußes auf Belastung dabei, die Situation genauer einzuordnen.

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Beschwerden

Ist die Plantarfaszie beteiligt, kann die konservative Behandlung unter anderem eine vorübergehende Anpassung der Belastung, gezielte Übungen für Fuß- und Wadenmuskulatur sowie bei Bedarf Mobilitätsübungen umfassen.

Das Ziel besteht nicht darin, den Fuß dauerhaft zu schonen. Vielmehr sollen die betroffenen Strukturen schrittweise wieder die Belastbarkeit entwickeln, die sie für Alltag, Beruf oder sportliche Aktivitäten benötigen.

Wie schnell die Belastung gesteigert werden kann, hängt von der Dauer und Intensität der Beschwerden, den individuellen Anforderungen und der Reaktion auf die Behandlung ab. Je nach Befund können weitere Maßnahmen ergänzt werden.

Das Röntgenbild ist ein Teil der Beurteilung, nicht ihr Abschluss

Ein sichtbarer Fersensporn kann zunächst wie eine eindeutige Erklärung für Fersenschmerzen wirken. In der Beurteilung ist er jedoch nur eine von mehreren Informationen.

Der genaue Schmerzort, das Auftreten der Beschwerden im Tagesverlauf, ihre Entwicklung und die Reaktion auf unterschiedliche Belastungen helfen dabei zu erkennen, welche Strukturen genauer betrachtet werden sollten.

Diese Differenzierung ermöglicht es, die Behandlung am tatsächlich vorhandenen funktionellen Problem auszurichten, statt ausschließlich einen Befund auf dem Röntgenbild zu behandeln.

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Geschrieben von

Petra Gillmann

Experte für Gesundheit und Wohlbefinden im Gesundheitshaus Garrel.

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