Wärme und Kälte beeinflussen vorübergehend Prozesse wie Durchblutung, Schmerzwahrnehmung und Stoffwechsel im Gewebe. In der Physiotherapie richtet sich die Wahl nach der gewünschten Wirkung und der jeweiligen Situation.
Wärme und Kälte lösen unterschiedliche Reaktionen im Gewebe aus
Wärme und Kälte sind nicht einfach zwei gegensätzliche Möglichkeiten, Beschwerden zu lindern. Eine Veränderung der Temperatur löst unterschiedliche physiologische Reaktionen aus. Genau diese Unterschiede sind entscheidend dafür, wie die Anwendungen in der Physiotherapie eingesetzt werden können.
Bei Kälte verengen sich oberflächliche Blutgefäße, außerdem kann die Nervenleitgeschwindigkeit abnehmen. Das trägt dazu bei, dass Schmerzen vorübergehend weniger intensiv wahrgenommen werden. Auch der lokale Stoffwechsel wird während der Abkühlung reduziert.
Wärme führt zu anderen Reaktionen: Die lokale Durchblutung nimmt zu, die Dehnbarkeit bestimmter Gewebe kann beeinflusst werden und ein Gefühl von Steifigkeit kann vorübergehend abnehmen. Je nach Behandlungsziel lassen sich diese Effekte beispielsweise vor Mobilisationen oder Übungen nutzen.
Eine frische Verletzung bedeutet nicht automatisch: kühlen

Lange Zeit gehörte es zu den verbreiteten Empfehlungen, nach nahezu jeder akuten Verletzung des Bewegungsapparates möglichst schnell zu kühlen. Heute wird der Einsatz von Kälte differenzierter betrachtet.
Kälte kann zur vorübergehenden Schmerzlinderung sinnvoll sein und in bestimmten Situationen helfen, eine ausgeprägte Reaktion nach einer Verletzung oder Belastung zu beeinflussen. Das ist jedoch nicht gleichbedeutend damit, dass eine Kühlung die Heilung grundsätzlich beschleunigt. Entzündungsprozesse gehören auch zur biologischen Reaktion des Körpers auf eine Gewebeschädigung.
Entscheidend ist deshalb nicht, eine Entzündung grundsätzlich zu unterdrücken, sondern zu beurteilen, ob die Kälteanwendung in der jeweiligen Situation einen sinnvollen Zweck erfüllt.
Wärme kann auf die anschließende Behandlung vorbereiten
Wärme kann in der Physiotherapie vor einer aktiven Behandlung eingesetzt werden. Bestehen beispielsweise Steifigkeit oder Bewegungseinschränkungen, kann die Erwärmung vorübergehend günstigere Voraussetzungen für die anschließende therapeutische Arbeit schaffen.
Dabei ist die Unterscheidung zwischen unmittelbarer Wirkung und therapeutischem Ergebnis wichtig. Fühlt sich eine Körperregion nach der Wärmeanwendung beweglicher oder weniger steif an, bedeutet das noch nicht, dass eine funktionelle Einschränkung behoben wurde. Die veränderten Bedingungen können jedoch genutzt werden, um anschließend mit Übungen, Mobilisationen oder relevanten Bewegungsabläufen weiterzuarbeiten.

Temperatur ist ein therapeutisches Mittel – nicht die gesamte Behandlung
Weder Wärme noch Kälte bauen Kraft, Koordination oder Belastbarkeit auf. Ihre Wirkungen sind überwiegend vorübergehend und sollten innerhalb der Physiotherapie deshalb mit einem konkreten Behandlungsziel verbunden sein.
Das erklärt auch, weshalb es auf die häufige Frage „Soll ich kühlen oder wärmen?“ keine allgemeingültige Antwort gibt. Entscheidend sind unter anderem das betroffene Gewebe, die Phase der Genesung, die individuelle Reaktion und vor allem das Ziel der Anwendung.
Wärme- und Kältetherapie gehören zu den Behandlungsmöglichkeiten der KG Praxis Berkemeyer und können andere physiotherapeutische Maßnahmen ergänzen, wenn ihr Einsatz zur jeweiligen Situation passt.
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Geschrieben von
Petra Gillmann
Experte für Gesundheit und Wohlbefinden im Gesundheitshaus Garrel.



