Überlastung entsteht nicht nur durch extreme Belastung. Steigt die Beanspruchung schneller als die Anpassungsfähigkeit von Muskeln, Sehnen und Faszien, können Beschwerden entstehen. Faszientraining kann helfen, die Belastbarkeit gezielt aufzubauen.
Wenn Belastung und Belastbarkeit nicht mehr zusammenpassen
Eine Überlastung beginnt nicht immer mit einem besonders intensiven Training oder einer außergewöhnlichen körperlichen Anstrengung. Manchmal verändert sich lediglich die Häufigkeit oder der Umfang einer Belastung, die der Körper bereits kennt.
Wer bisher zweimal pro Woche gelaufen ist, läuft plötzlich viermal. Eine berufliche Tätigkeit erfordert über mehrere Stunden hinweg immer wieder dieselben Bewegungen. Oder nach einer längeren Pause wird das Training direkt mit dem früheren Umfang wieder aufgenommen. In all diesen Situationen muss nicht die Aktivität selbst das Problem sein. Verändert hat sich vielmehr das Verhältnis zwischen der Belastung, die das Gewebe bewältigen muss, und seiner aktuellen Belastbarkeit.
Der Körper besitzt die Fähigkeit, sich anzupassen. Muskeln, Sehnen und Bindegewebe reagieren auf die Belastungen, denen sie regelmäßig ausgesetzt sind. Diese Anpassung braucht jedoch Zeit. Steigt die Beanspruchung schneller als die Anpassungsfähigkeit, können Empfindlichkeit, Steifigkeitsgefühle oder Beschwerden bei bestimmten Aktivitäten entstehen.
Deshalb ist bei belastungsabhängigen Beschwerden nicht nur die Frage „Wo tut es weh?“ interessant, sondern auch: „Was hat sich in den vergangenen Wochen verändert?“
Welche Rolle spielen die Faszien dabei?
Faszien gehören zum Bindegewebe, das unterschiedliche Strukturen des Körpers umgibt und miteinander verbindet. Sie arbeiten nicht isoliert, sondern stehen in enger Verbindung mit Muskeln, Sehnen und anderen Geweben und sind an der Übertragung von Kräften während einer Bewegung beteiligt.
Das bedeutet gleichzeitig, dass Beschwerden nicht automatisch auf eine „verkürzte“ oder „verklebte“ Faszie zurückgeführt werden sollten. Wenn eine bestimmte Aktivität Symptome verursacht, muss das Zusammenspiel verschiedener Faktoren betrachtet werden.
In der Physiotherapie kann beispielsweise untersucht werden, welche Bewegungen die Beschwerden auslösen, wie beweglich die betroffene Region ist, welche Belastung die Muskulatur bewältigen kann und ab welchem Punkt Symptome auftreten. Auch die Entwicklung der vergangenen Wochen ist relevant: Wurde das Training gesteigert? Hat sich die körperliche Belastung bei der Arbeit verändert? Wurde eine Aktivität nach längerer Pause wieder aufgenommen?
Diese Informationen helfen einzuschätzen, ob die aktuelle Beanspruchung und die Belastbarkeit der beteiligten Strukturen noch zueinander passen. Die Behandlung kann sich dann an dieser konkreten Situation orientieren, anstatt lediglich zu versuchen, ein bestimmtes Gewebe „zu lösen“.

Faszientraining ist mehr als die Faszienrolle
Der Begriff Faszientraining wird häufig unmittelbar mit einer Faszienrolle verbunden. Die Rolle kann Bestandteil des Trainings sein, bildet aber nicht das gesamte Spektrum ab.
Bewegungen in unterschiedlichen Richtungen und Bewegungsumfängen, Mobilitätsübungen, Krafttraining und eine schrittweise Steigerung der Belastung können ebenfalls eingesetzt werden. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt vom jeweiligen Ziel und den bei der Untersuchung festgestellten Einschränkungen ab.
Eine Faszienrolle kann beispielsweise kurzfristig das Spannungsgefühl verändern oder die Beweglichkeit bei bestimmten Bewegungen verbessern. Das ist jedoch etwas anderes als die verbreitete Vorstellung, dass durch den Druck der Rolle „verklebte Faszien“ mechanisch gelöst werden. Die Wirkung auf Gewebe und Körperwahrnehmung ist komplexer, als diese einfache Erklärung vermuten lässt.
Die Faszienrolle muss deshalb weder grundsätzlich abgelehnt noch als universelle Lösung betrachtet werden. Entscheidend ist vielmehr, welche körperliche Fähigkeit verbessert werden soll und welcher Trainingsreiz dafür sinnvoll ist.
Belastbarkeit wieder aufbauen
Wenn eine bestimmte Aktivität Beschwerden verursacht, kann es sinnvoll sein, die Belastung zunächst vorübergehend zu reduzieren oder anzupassen. Das Ziel besteht jedoch nicht darin, die betreffende Bewegung dauerhaft zu vermeiden.
In der Physiotherapie kann mit einer Belastung begonnen werden, die aktuell gut toleriert wird. Abhängig von der Reaktion können Umfang und Intensität anschließend schrittweise gesteigert werden. Kraft, Beweglichkeit und die Fähigkeit, bestimmte Bewegungen wiederholt oder über längere Zeit auszuführen, können entsprechend den Anforderungen in Alltag, Beruf oder Sport trainiert werden.
Wer beispielsweise wieder laufen möchte, soll nicht nur Übungen in der Praxis beschwerdearm durchführen können. Die beteiligten Strukturen müssen nach und nach wieder auf die tatsächlichen Anforderungen des Laufens vorbereitet werden.
In diesem Zusammenhang kann Faszientraining in die Behandlung integriert werden: nicht als isolierte Methode zum „Lösen der Faszien“, sondern als Bestandteil eines Trainings, das Beweglichkeit, körperliche Leistungsfähigkeit und die Anpassung der Gewebe an individuelle Belastungen berücksichtigt.

Kontakt
KG Praxis Berkemeyer Inh. Petra Gillmann: 04474 - 8393
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Geschrieben von
Petra Gillmann
Experte für Gesundheit und Wohlbefinden im Gesundheitshaus Garrel.



