Frozen Shoulder: Was die Gelenkkapsel mit der Schultersteife zu tun hat
Therapie

Frozen Shoulder: Was die Gelenkkapsel mit der Schultersteife zu tun hat

Petra Gillmann

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4 Min. Lesezeit

Bei einer Frozen Shoulder ist die Bewegung nicht nur durch Schmerzen eingeschränkt. Veränderungen der Gelenkkapsel reduzieren die Beweglichkeit. Das erklärt auch, warum die Behandlung an die jeweilige Situation der Schulter angepasst werden muss.

Frozen Shoulder ist nicht einfach eine schmerzhafte Schulter

Schmerzen und Schwierigkeiten beim Heben oder Drehen des Arms können bei verschiedenen Schulterproblemen auftreten. Bei einer Frozen Shoulder, auch adhäsive Kapsulitis genannt, gibt es jedoch einen wichtigen Unterschied: Das Schultergelenk selbst verliert einen Teil seiner Beweglichkeit.

Das lässt sich bei der Untersuchung feststellen. Entspannt die Patientin oder der Patient den Arm und versucht der Physiotherapeut, ihn zu bewegen, bleibt die Bewegung ebenfalls eingeschränkt. Es geht also nicht nur darum, dass bestimmte Bewegungen aufgrund von Schmerzen vermieden werden.

Diese Besonderheit hilft dabei, eine Frozen Shoulder von anderen Schulterproblemen zu unterscheiden, bei denen das aktive Bewegen des Arms schwerfällt, das Gelenk bei der Untersuchung aber noch deutlich weiter bewegt werden kann.

Was passiert im Schultergelenk?

Das Schultergelenk ist von einer Gelenkkapsel umgeben. Sie besteht aus festem Gewebe, das zur Stabilität des Gelenks beiträgt, gleichzeitig aber beweglich genug sein muss, um die große Bewegungsfreiheit des Arms zu ermöglichen.

Bei einer Frozen Shoulder verändert sich diese Kapsel. Es kommt zu entzündlichen Prozessen, und im weiteren Verlauf können Teile des Gewebes dicker und weniger flexibel werden. Dadurch steht dem Gelenk weniger Bewegungsfreiheit zur Verfügung.

Besonders häufig ist die Drehung des Arms nach außen eingeschränkt. Dieses Bewegungsmuster gehört zu den Merkmalen, auf die bei der Untersuchung geachtet wird.

Wenn Betroffene das Gefühl haben, dass der Arm ab einem bestimmten Punkt einfach nicht weiterkommt, kann hinter dieser Einschränkung also eine tatsächliche Veränderung der Gelenkkapsel stehen.

Schmerz und Steifigkeit können unterschiedlich stark im Vordergrund stehen

Eine Frozen Shoulder entwickelt sich häufig über einen längeren Zeitraum. Die Beschwerden bleiben dabei jedoch nicht während des gesamten Verlaufs gleich.

Es gibt Phasen, in denen vor allem Schmerzen das Problem bestimmen und die Schulter empfindlich auf Bewegung reagiert. Zu einem anderen Zeitpunkt können die Schmerzen bereits nachgelassen haben, während die eingeschränkte Beweglichkeit weiterhin alltägliche Aktivitäten erschwert. Im weiteren Verlauf kann sich die Beweglichkeit allmählich wieder verbessern.

Das hat eine praktische Bedeutung für die Behandlung: Zwei Menschen mit derselben Diagnose können je nach aktueller Situation ihrer Schulter unterschiedliche therapeutische Schwerpunkte benötigen.

Entscheidend ist deshalb nicht nur die Diagnose Frozen Shoulder, sondern auch, wie sich das Gelenk zum jeweiligen Zeitpunkt präsentiert.

Eine steife Schulter kräftig zu mobilisieren ist nicht immer sinnvoll

Bei einer eingeschränkten Beweglichkeit liegt der Gedanke nahe, die Schulter möglichst intensiv zu dehnen oder zu mobilisieren. Bei einer Frozen Shoulder bedeutet mehr Intensität jedoch nicht automatisch eine bessere Wirkung.

Ist die Schulter sehr empfindlich und schmerzhaft, können aggressive Mobilisationen die Beschwerden verstärken, ohne die Beweglichkeit dadurch zwangsläufig schneller wiederherzustellen. Ist der Schmerz dagegen geringer und die Steifigkeit steht stärker im Vordergrund, kann die Arbeit an der Beweglichkeit einen größeren Stellenwert bekommen.

Das bedeutet nicht, dass die Schulter bei Schmerzen überhaupt nicht bewegt werden sollte. Entscheidend ist vielmehr, wie viel Bewegung und Belastung das Gelenk in der jeweiligen Situation verträgt.

Die Behandlung verändert sich mit der Schulter

Die Physiotherapie kann Übungen zum Erhalt oder zur Verbesserung der Beweglichkeit, Mobilisation des Gelenks und Empfehlungen für erschwerte Alltagsaktivitäten umfassen. Im weiteren Verlauf können auch Kräftigungsübungen hinzukommen.

Die Behandlung muss deshalb nicht über Monate hinweg gleich aussehen. Verändert sich das Hauptproblem, können auch die therapeutischen Maßnahmen entsprechend angepasst werden.

Das ist bei einer Frozen Shoulder besonders relevant, da die Erholung häufig längere Zeit benötigt und nicht immer gleichmäßig voranschreitet.

Eine steife Schulter ist nicht automatisch eine Frozen Shoulder

Auch andere Ursachen können die Beweglichkeit der Schulter einschränken. Nach Operationen, längerer Ruhigstellung, bei Arthrose oder anderen Veränderungen des Gelenks kann ebenfalls eine deutliche Steifigkeit entstehen.

Das Gefühl einer „blockierten“ Schulter reicht deshalb nicht aus, um von einer adhäsiven Kapsulitis auszugehen.

Bei der Untersuchung helfen unter anderem das Muster der eingeschränkten Bewegungen, die Beweglichkeit des entspannten Arms, das Verhalten der Schmerzen und die Entstehungsgeschichte der Beschwerden dabei, eine Frozen Shoulder von anderen Schulterproblemen zu unterscheiden.

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Geschrieben von

Petra Gillmann

Experte für Gesundheit und Wohlbefinden im Gesundheitshaus Garrel.

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